Geschichte der Landwirtschaft

An den unten dargelegten Zahlen können wir feststellen, wie der Feldbau oder auch die Landwirtschaft sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat:

Röcknitz:
1552 16 „besessene“ Mann, 8 Hufen Land
1614 6 Hüfner, 5 Halbhüfner, 7 Gärtner
1723 16 Hüfner mit 10 Hufen Land
1764 19 „besessene“ Mann, 9 Gärtner, 3 Häusler, 11 Hufen je 24 Acker
1900 Größe 921 ha

Treben:
1552 18 „besessene“ Mann, 2 Gärtner, 6 Häusler, 15
1/2 Hufen
1723 25 Hüfner mit 16
1/2 Hufen
1764 26 „besessene“ Mann, 8 Häusler, 17 Hufen je 24 Acker
1900 Größe 401 ha

Zwochau:
1495 und 1551 Wüstung
1571 Vorwerk Rittergut Hohburg
1791 Vorwerk Rittergut Kühnitzsch
1841 Ortsteil von Röcknitz, 3 Häuser mit Ackerstreifen, 21 Einwohner
1865 Größe 357 ha

Zur Erläuterung:
Unter einem „besessen“ Mann ist ein bäuerlicher Hufenbesitzer zu verstehen, dessen Erwerb und Beruf die Landwirtschaft ist. Zur Wohnstätte einer solchen Familie gehörten 5 bis 8 Familienangehörige.
Ein Gärtner besaß damals nur einen Garten. Er hatte keinen Feldbesitz. Sein bäuerlicher Kleinbetrieb hatte oft keine ausreichende Leistung, um die Familie zu ernähren. Meist gehörten 3 bis 6 Mitglieder zu einer Familie.
Der Häusler war ein Landbewohner, der nur ein Haus, jedoch kein Feld besaß und sich von Lohnarbeit ernährte – ein Tagelöhner im Handwerk und Gewerbe.
Eine Hufe ist das Normalmaß des Grundbesitzes eines einzelnen Bauern und entsprach 10 oder mehr ha Ackerland. Diese Angaben waren von Land zu Land sehr unterschiedlich (1 ha = 10.000 m2 / 100 ha = 1 km2 = 10 Hufen).

Der o.g. Überblick sagt aus, dass Treben im Mittelalter größer als Röcknitz war. Vor nunmehr über 100 Jahren kehrte sich das jedoch ins Gegenteil um. Ursache war die 1887 erfolgte Eröffnung der Steinindustrie am oberen Röcknitzer Steinberg.
Doch nun noch einmal zurück in die Vergangenheit.
Anfang des 18. Jahrhunderts setzte sich der Dreiseitenhof als typisch sächsischer Bauernhof durch. 
Neue Gesetze und Verordnungen führten zur Verbesserung der Verhältnisse auf dem Lande. So begann im Jahre 1764 nach dem Staatsbankrott in Folge des Siebenjährigen Krieges die Förderung des agrarischen Fortschrittes.
1815 musste Sachsen schmerzliche Verluste von Land und Leuten im Ergebnis des Wiener Kongresses hinnehmen. Durch eine neue Grenzziehung wurde Treben für über 175 Jahre zum nördlichsten Dorf Sachsens.
Im Jahre 1832 trat das Gesetz über die Ablösungen und Gemeinfreiheiten in Kraft, in dessen Folge die Bauern allseitig freie Besitzer von Feldern, Grundstücken und Gebäuden wurden. Es erfolgte die Aufhebung der Frondienste und die Bauern waren bis 1859 schuldenfreie Eigentümer. Mit diesen tiefgreifenden Änderungen wurden die dörflichen Verhältnisse in völlig andere Bahnen gelenkt.
Die Dreifelderwirtschaft wurde allmählich beendet. Die sogenannten Fruchtfolgen wurden eingeführt. Die Bauern mussten sich nun auf eine allseitig völlig neue wirtschaftliche Situation einstellen. Man bemühte sich, größere Gewinne zu erzielen. Die Fluren wurden neu eingeteilt und zu größeren Feldern zusammengelegt. 

Diese Zeit war auch durch die beginnende Technisierung der Landwirtschaft gekennzeichnet. Kaum zu schildern sind jedoch die Veränderungen in den Köpfen der Menschen dieser Zeit. Keiner fragte, wie sie mit den neuen Verhältnissen zurechtkamen. Aber sie wussten sich auch zu helfen. So wurde im Jahre 1873 vom damaligen Rittergutsbesitzer Herrn von Wächter, Sohn des Prof. Dr. jur. phil. Karl Georg von Wächter, der hiesige Landwirtschaftliche Verein gegründet. 
In der Zielstellung stand die Hebung der landwirtschaftlichen Kenntnisse ganz oben an. Dieser Punkt erlangte seine Wichtigkeit auch durch die Anstellung von Saisonkräften. 
Wie auf anderen großen Gütern wurden seit 1890 die Feldarbeiten auch auf dem Röcknitzer Rittergut durch die Saisonarbeiter mit erledigt. Sie kamen im Frühjahr meist aus Polen, arbeiteten und wohnten hier, um dann im November in ihre Heimat zurückzukehren. Für ihre Unterkunft stand das sogenannte Polenhaus zur Verfügung, in dem heute die Familie Petzold (An der Wasserburg) lebt. 

Die Kirchturmnachrichten von 1902 wussten über die Technisierung der Landwirtschaft auch noch einiges zu berichten: So war u.a. zu lesen, dass von den bäuerlichen Betrieben nun fast alle Dreschmaschinen besaßen und die größeren sich sogar Sämaschinen anschafften. Vom Bauer Alfred Kleine war bekannt, dass er seine Dreschmaschine zum „Lohndrusch“ einsetzte und ab 1934 mit einem Lanz-Bulldog antrieb.

Die Zeit von 1914 bis 1918, während des ersten Weltkrieges, war auch für die Landwirtschaft in unseren Dörfern sehr hart. Die Rationierung der Lebensmittel hatte an diesen Zuständen einen entscheidenden Anteil. Noch dramatischer waren die Ereignisse, die mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges am 01. September 1939 auf die Menschen zukamen. Die erneute Ausgabe von Lebensmittelkarten sollte eine möglichst gerechte Verteilung und Versorgung der Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln garantieren. Die Bauern mussten entsprechend ihrer Anbaufläche ein „Ablieferungs-Soll“ entrichten, welches aber so mancher nicht schaffte. Die Verwendung von Lebensmittelkarten erfolgte noch bis zum Jahre 1958.

Noch im Frühjahr 1945 befand sich in Röcknitz ein Versorgungslager für das Militär. Im Zuge der Auflösung dieses Lagers wurden die Lebensmittel an die Bevölkerung verteilt.

Am 24. April 1945 zogen amerikanische Soldaten durch unser Dorf, hielten sich jedoch nicht lange hier auf. Sie zogen sich dann, entsprechend der Verträge von Jalta, in Richtung Westen zurück. Versprengte Soldaten, die man hier antraf, wurden gefangengenommen und kamen in das große Kriegsgefangenenlager Bad Kreuznach. Heimatvertriebene und Menschen aus den zerbombten Großstädten flohen aufs Land, suchten und fanden hier eine neue Heimat. Eilenburg wurde hart umkämpft. Viele Menschen verließen die zerstörte Stadt. Die Mulde war unterdessen zum „Grenzfluss“ geworden und wer trotzdem versuchte, sie zu durchschwimmen, riskierte im Kugelhagel sein Leben.

Die hiesige Bevölkerung sah voller Angst dem Einzug der sowjetischen Truppen entgegen. Sie besetzten am 05. Mai 1945 unsere Orte. Die Frauen mussten sich vor Übergriffen schützen und versteckten sich. Alles war in Aufregung.

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in Röcknitz 45 Dreiseitenhöfe unterschiedlicher Größenordnung, die z.T. weit über 100 Jahre in Familienbesitz waren. Das Rittergut von Dr. Heinrich Köpp, dem auch die Leipziger Vasenol-Werke gehörten, wurde am 17. August 1945 beschlagnahmt. Der Administrator Wilhelm Bethge verlor daraufhin seine Stellung. Im Zuge der Bodenreform erfolgte die Neuaufteilung der Rittergutsfluren. 42 Neubauern erhielten 6 bis 8 ha und 55 Kleinsiedler wenige ar. Das Rittergut selbst befand sich nun in den Händen der „Roten Armee“ und wurde von dieser mit all seinen Flurgrundstücken, seinem toten und lebenden Inventar, verwaltet. 
Einige der Neubauern, die keine Wohnmöglichkeiten vorfanden, bauten sich neue Wohnhäuser, Scheunen und Ställe. Die Röcknitzer Baufirma Nitzschke hatte daran großen Anteil.

In der Folgezeit konnten nicht alle landwirtschaftlichen Betriebe ihre Pflichtablieferungen erfüllen. Um verständlich zu machen, welch schwieriger Weg für die Bauern begann und wie viele Kämpfe es kostete, bis sie auch innerlich bereit waren, einen neuen Weg einzuschlagen, zeigt die ausführliche Aufzeichnung der LPG-Gründungen in den Dörfern.

Vier Jahre gingen ins Land, bis dann am 27. Mai 1953 durch Gertrud Viehweg die erste LPG „Unser Land“ gegründet wurde. Als Buchhalter fungierte Paul Wilk, der Oberinspektor und Flüchtling aus Ostpreußen war. Doch bereits sieben Wochen später, am 14. Juli 1953, wurde die Genossenschaft wieder aufgelöst.

Eine erneute Gründung einer LPG gab es dann am 20. Februar 1955. Reinhold Erd stand an der Spitze der LPG „Frohe Zukunft“ Typ III. Den Vorsitz hatten weiter wie folgt in Besitz:
ab 04.02.1957 Willi Schindler
ab 01.08.1963 Rudolf Zimmermann
ab Jan. 1965 Heinz Snicinski (Kobershain)
ab 20.02.1971 Horst Uber (Hohburg) bis Jan. 1976

1959 erfolgte die Gründung der LPG „Frischer Wind“ Typ I. Erster Vorsitzender war Siegfried Kleine. Typ I bedeutete in diesem Zusammenhang, dass in einer gemeinsamen Feldwirtschaft gearbeitet wurde.
Die Vorsitzenden waren:
ab 01.01.1962 Heinz Schmidt
ab 01.01.1964 Siegfried Kleine
ab 07.10.1964 Martin Schmidt bis Ende 1971, dann zu Typ III

Ebenfalls 1959 erfolgte die Gründung der LPG „Freundschaft“ Typ I. Erster Vorsitzender war Joachim Richter.
Weiter folgten:
ab 1961 Martin Döbler
ab 1966 Willi Riegel
ab 1970 Rudolf Zimmermann bis Ende 1971, dann zu Typ III

Im Jahre 1961 konnte eine neue Schweine-Mastanlage in Röcknitz eingeweiht werden.
Ab 01. Januar 1971 kam es zum Zusammenschluss aller LPG. So wirtschaftete ab diesem Zeitpunkt nur noch die LPG „Frohe Zukunft“ mit dem Vorsitzenden Horst Uber an der Spitze.
Ebenfalls im Jahre 1971 begann der Bau eines neuen Rinderstalles an der Kobershainer Straße.
Doch bereits zum 01. Januar 1973 folgte die nächste Veränderung. Es entstand die KAP Böhlitz – Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion – mit ausschließlicher Feldwirtschaft. Daran waren neben Röcknitz und Böhlitz auch Nischwitz, Thallwitz, Großzschepa und das VEG Canitz beteiligt. Den Vorsitz hatte Helmar Fleischer übernommen.
Drei Jahre danach, am 01. Januar 1976, entstand die LPG-Tierproduktion mit Erhard Krätzschmar, Böhlitz, als Vorsitzendem. Die LPG-Tierproduktion bestand bis zum 04. Dezember 1990.
Am 03. Juli 1985 wurde die neue Rinderzucht- und Mastanlage der LPG „IX. Parteitag“ Böhlitz in Röcknitz in Betrieb genommen.
Am 01. Januar 1978 wurde die LPG „Thomas Müntzer“ unter dem Vorsitz von Helmar Fleischer gegründet. Die zu bearbeitende Gesamtfläche belief sich bis zur Auflösung auf ca. 4.800 ha.
Mit dem Jahr 1992 vollzog sich die Auflösung der „LPGen“. Es erfolgte eine schrittweise Umwandlung in Agrargenossenschaften. Im gleichen Jahr gründeten zwei „Wiedereinrichter“, Rainer Schmidt und Arndt Süptitz, ihren eigenen landwirtschaftlichen Betrieb. Mehrere Röcknitzer Bauern ließen ihre Felder bewirtschaften.
1996 gründete Hartmut Müller seinen „Öko-Bauernhof“ Röcknitz.

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